Historische vom Schloss Lanniron in der Finistere, Frankreich.
Sommersitz der Bischöfe von Quimper
Lanniron
war während etwa 1 000 Jahren Sommersitz der Bischöfe von Quimper
und Léon sowie Herrschaftssitz und Schloß der Grafen von
Cornouaille: Es existieren Verträge bereits aus dem 13. Jahrhundert,
die von ihnen unterzeichnet wurden. Im 15. Jahrhundert errichtete
Seine Hochwürden Bertrand von Rosmadec ein neues Herrenhaus, in
welchem seine Nachfolger bis zum Ende des 18. Jahrhunderts entweder
ihre ständige Wohnstätte oder ihren Sommersitz innehatten.
Im 17.
Jahrhundert erweiterte Seine Hochwürden François von Coëtlogon –
ein großer Bischof, wie auch ein Mann mit künstlerischer Begabung,
der auch noch andere berühmte Gärten geschaffen hatte – das Gut.
Die Gärten hier wurden entweder von Molle, dem königlichen
Garten-Architekten entworfen – oder vielleicht auch von seinem
Nachfolger, Lenôtre selbst. Lannirons wesentlichste Bauten
entstanden: sein großer Kanal, seine Springbrunnen, sein
Neptun-Bassin sowie die „Orangerie“, wo heutzutage während
Quimpers musikalischer Wochen Konzerte stattfinden.
Auch ihre
Hochwürden von Ploeuc und von Farcy verschönerten Lanniron: Das
Herrenhaus wurde durch den Anbau des heutigen westlichen Flügels
erweitert.
Die revolution
Die
französische Revolution von 1789 brachte dann auch hier den
Niedergang: Der Staat verkaufte das säkularisierte Anwesen. Bis 1822
ging es von Hand zu Hand und wurde dabei geplündert. Während der
dann folgenden 10 Jahre war Emmanuel Harrington, der einer
englisch-französischen Familie entstammte, sein Eigentümer. Ihm
verdanken wir die Umwandlung des Gebäudes in einen wieder
bewohnbaren Herrensitz. Ursprünglich beabsichtigte Harrington
darüber hinaus, die Gärten der seinerzeitigen englischen Mode
entsprechend durch Abschaffung der Terrassen umzugestalten.
Glücklicherweise hatte er jedoch keine Zeit, diese Pläne
umzusetzen.
1833 kam
Lanniron in den Besitz der heutigen Familie: Charles von Kerret, ein
Vorfahre des jetzigen Besitzers, erwarb das Anwesen. Seine Familie
setzte die Wiederherstellung des Parkes fort, wobei sie den
Ratschlägen vielgereister Verwandter – beispielsweise Charles’
von Malartic – folgte. Diese waren allesamt Liebhaber
italienischer Gärten, sowie der Gärten von Cannes gewesen.
Es war dann zweifellos Frau von Sablière, die
Tochter von Charles von Kerret, die exotische Baumarten aus
Konstantinopel/Istanbul hierher mitgebracht hat. Ihr Sohn Georges,
der in Nord-Amerika und Alaska Forschungen betrieben hatte, führte
die Sequoias und Wellingtonias hier ein. Unter der deutschen
Besatzung 1940/1944 wurde Lanniron sehr vernachlässigt: Sein
vielleicht wichtigstes Bauwerk, der Kanal, war 1950 verschlammt und
verlandet.
Im Jahre
1969 wurde der Camping-Platz „L’orangerie de Lanniron“
gegründet, um so das Gut in der heutigen Zeit überhaupt auf
finanziell halbwegs gesicherte Beine zu stellen. Ebenso besitzt
dieser Platz am Odet-Flussufer für den Raum Quimper wie auch für
den südwestlichen Teil von Finistère eine wichtige touristische
Bedeutung.
Der Sturm
des 15. Oktobers 1987 hat einen Grossteil des alten, wertvollen
Baumbestandes, wie Zedern und 100-jährige Eichen, vernichtet, aber
auch die Alleen entblößt. Ein umfassendes und kostspieliges
Rehabilitierungsprogramm hat bereits begonnen: Sie erkennen, daß
neben anderen Straßenbäumen eine Linden- und eine Buchen-Allee neu
gepflanzt wurden. Daneben wurde die Restaurierung der 1,5 km langen
Umfassungsmauer und der Springbrunnen begonnen und dekorative
Begrünungen vorgenommen.
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